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Auszüge eines Interviews des Havanna Lounge Magazins mit Bernd Schröder, Geschäftsführer der Lince GmbH und mdexx GmbH

 

 

Wie hat Sie die Corona-Krise getroffen?

Bei mdexx spüren wir die Auswirkungen aktuell in einem Umsatzrückgang von ca. 25% bei den Industrieventilatoren. Der Bereich Wickelgüter hat einen leichten Umsatzrückgang zu verzeichnen, jedoch noch nicht kritisch. Ich gehe aber davon aus, dass die Auswirkungen der Corona Krise durchaus noch stärker werden können, da die Lieferketten unterbrochen werden könnten , bzw. unsere Kunden aufgrund von fremdinduzierten Stillständen Ihre Abrufmengen reduzieren müssen.

 

Welche Maßnahmen haben Sie für Ihr Unternehmen eingeleitet und für sich selbst getroffen?

Wir versuchen bei mdexx mit Maßnahmen wie z.B. Kapazitätssteuerung, Homeoffice und Gruppentrennung möglichen Infektionsketten, bzw. deren Auswirkungen auf die betriebliche Leistungsfähigkeit entgegen zu wirken. Betriebswirtschaftlich ist Cash-Steuerung essenziell wichtig! Durch Nachfragerückgänge und auch einseitige Verschiebungen der Zahlungsziele wird der Cash Flow unmittelbar gefährdet. Aus diesem Grund puschen wir unseren Vertrieb und bieten unsere Ressourcen im Markt an – auch für Produkte, die mdexx momentan nicht liefert! Trotz aller Maßnahmen kann Kurzarbeit, die wir aktuell noch nicht haben, auch nicht ausgeschlossen werden.

 

Welche Forderungen stellen Sie an die Politik?

Grundsätzlichen Vorrang hat momentan die Cash-Steuerung in Unternehmen. Das hat die Politik auch bereits erkannt und diverse – positive – Maßnahmen, wie KFW Bürgschaften und –Kredite, Anpassung der Kurzarbeiter-Regelungen; Kredite für Kleinunternehmen, etc. umgesetzt. Hier muss man die handelnden Parteien auch einmal loben, da die Notwendigkeit des Handelns sehr schnell erkannt wurde.

Bei diesen Maßnahmen darf es aber nicht bleiben! Nach der Krise müssen die Unternehmen in der Lage sein betriebswirtschaftlich sinnvoll weiter zu existieren! Dafür dürfen die Verbindlichkeiten nicht zu unbeherrschbaren Risiken anwachsen. Gleichzeitig muss die private Kaufkraft unbedingt gestützt werden um die Geld- und Warenkreisläufe nicht endgültig zu zerstören.

Dabei dürfen wir nicht davon ausgehen, dass die Wirtschaft sich in allen Bereichen unmittelbar wieder auf das Niveau vor der Krise erholt. Einige Branchen, wie z.B. die zivile Luftfahrt, Automobil und sicher auch die Freizeitgewerbe und  die Gastronomie müssen mit einer relativ langsamen Anlaufkurve rechnen. Exakte Voraussagen lassen sich hier nicht tätigen, da zu viele Randbedingungen  einstreuen. Der Wirtschaftskreislauf wird nur ganz anders wieder rebooten als nach den bisherigen Krisen der vergangenen 20 Jahre!

Darum müssen nun flexible, Eigenkapitaläquivalente und Cash orientierte  Konzepte geschaffen werden um die Zukunftsfähig der Wirtschaft sicher zu stellen und die negativen Auswirkungen auf die private Kaufkraft zu minimieren.

Ich denke, dies erfordert „Opfer“ von allen Beteiligten.

 

Welche Chancen und Risiken sehen Sie für unsere Gesellschaft aus dieser Krise?

Eine bereits in der Diskussion befindliche Auswirkung ist die globale Strukturierung unserer Zulieferketten und die Abhängigkeit der Wertschöpfungsketten von internationalen Warenströmen. Standen in den vergangenen Jahrzehnten die Globalisierung und die Best Cost Country – Beschaffung im Fokus, so ist hier eine Korrektur im Gespräch. Das könnte mit einer Veränderung der Zulieferstruktur und am Ende mit einer Stärkung des deutschen Mittelstandes einher gehen.

 

Natürlich sind solche Überlegungen hinreichend komplex, da es nicht nur um Warenströme, sondern auch um internationale Geldströme und Finanzierungssysteme geht.

 

Aussagen wie „..nach der Corona Krise wird die Wirtschaftsstruktur eine andere sein..“ – wie von einigen kompetenten Politikern und Managern öffentlich getätigt, mag man noch mit einem ungläubigen Schmunzeln bewerten. Ich gehe jedoch auch davon aus, dass sowohl die Politik, als auch die Industrie diese Krise und Ihre Auswirkungen sehr genau  analysieren muss um die Schwächen des Systems auszumerzen. Es wird Veränderungen geben – so viel ist sicher – lokalere Denkweisen, lokalere Wirtschaftsstrukturen,  mehr Nutzung von Social Collaboration Tools und Internet zu Lasten von Reisetätigkeiten, schnelleres Umrouten in umweltfreundlichere Beförderungsmittel, Anpassungen der Finanzstruktur, größerer Stellenwert des nationalen Gesundheitssystems, uvm. …

 

Immerhin wird durch die Folgen der Shut Downs die Luft global sauberer, die Umweltverschmutzung ist temporär stark zurück gegangen, der gesellschaftliche Takt ist entschleunigt worden, Prioritäten wurden neu geordnet!

 

Insofern hoffe ich, dass neben den schlimmen Schicksalen auch die positiven Dinge gesehen werden und daraus gelernt werden wird! Gewisser Maßen: Die Menschheit hat diese Warnung der Natur nun verstanden!